BCM als NIS2-Anforderung: Was heißt das konkret?



NIS2 Notfallplanung & BCM: Warum Business Continuity plötzlich Chefsache ist

BCM galt lange als nice-to-have – bis NIS2 kam.
Dieser Satz fasst eine Entwicklung zusammen, die viele Unternehmen gerade spüren: Business Continuity ist kein Spezialthema der IT mehr, sondern wird durch die NIS2-Richtlinie zur strategischen Pflicht. Während früher oft die technische Sicherheit im Fokus stand, fordert NIS2 heute weit mehr – nämlich die Fähigkeit, den Betrieb auch im Krisenfall aufrechtzuerhalten.

Das bedeutet: Informationssicherheit allein reicht nicht mehr. Wer nur Daten schützt, aber keine durchdachte NIS2 Notfallplanung und keinen klaren Wiederanlaufplan hat, gilt künftig als nicht resilient. Genau hier greift Business Continuity Management (BCM) – als verbindendes Element zwischen IT, Organisation und Geschäftsführung.

Dieser Artikel zeigt Dir, was BCM im Kontext von NIS2 konkret bedeutet, welche Anforderungen auf Unternehmen zukommen und wie Du das Thema pragmatisch angehen kannst, ohne ein komplettes Managementsystem aus dem Boden zu stampfen. Es geht nicht um theoretische Modelle, sondern um Orientierung im Alltag: Was fordert NIS2 wirklich – und wie lässt sich das sinnvoll umsetzen, gerade im KMU-Umfeld?


Was bedeutet Business Continuity Management (BCM) im Kontext von NIS2 wirklich?

Business Continuity Management (BCM) beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, ihre wesentlichen Geschäftsprozesse auch bei Störungen oder Krisen aufrechtzuerhalten. Es geht also nicht nur darum, nach einem Ausfall schnell wieder zu funktionieren – sondern vor allem darum, vorher zu wissen, welche Prozesse kritisch sind, welche Ressourcen sie benötigen und wie lange ein Stillstand tragbar ist.

Oft wird BCM mit Notfallmanagement oder IT-Disaster-Recovery (IT-DR) verwechselt. Der Unterschied liegt im Fokus:

  • Notfallmanagement beschreibt die akute Reaktion – also das Handeln im Moment der Krise.
  • IT-Disaster-Recovery bezieht sich auf das Wiederherstellen technischer Systeme.
  • BCM hingegen denkt umfassender: Es sorgt dafür, dass das gesamte Unternehmen – fachlich, organisatorisch und kommunikativ – auch im Ausnahmezustand arbeitsfähig bleibt.

Formal ist BCM in der ISO 22301 verankert, die als internationale Norm für Business Continuity Managementsysteme (BCMS) gilt. Sie lässt sich eng mit der ISO 27001 verknüpfen, die das Management der Informationssicherheit regelt. Beide Systeme ergänzen sich: Das ISMS schützt Informationen, das BCMS schützt die Betriebsfähigkeit.

Damit wird klar: BCM ist kein IT-Projekt, sondern eine Führungsaufgabe. Es betrifft Einkauf, Produktion, Logistik, Personal – überall dort, wo Abhängigkeiten und Risiken bestehen.

Die NIS2-Richtlinie greift diesen Gedanken auf: Sie versteht BCM als Teil eines ganzheitlichen Risikomanagementsystems, das technische und organisatorische Maßnahmen gleichermaßen umfasst. Wer NIS2 erfüllen will, muss also nicht nur über Sicherheit sprechen, sondern über Widerstandsfähigkeit – und damit über Business Continuity.


Warum BCM unter NIS2 auch für KMU Pflicht wird

Viele mittelständische Unternehmen glauben noch immer: „Wir sind kein KRITIS-Unternehmen, also betrifft uns NIS2 nicht.“ Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss.

Die neue NIS2-Richtlinie erweitert den Geltungsbereich deutlich – sie unterscheidet künftig zwischen wesentlichen und wichtigen Einrichtungen. Beide Kategorien können auch mittelständische Unternehmen betreffen, wenn sie bestimmte Schwellenwerte (z. B. mehr als 50 Mitarbeitende oder 10 Mio. € Jahresumsatz) überschreiten oder Teil einer kritischen Liefer- oder IT-Versorgungskette sind.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick in die Praxis:

  • Ein Produktionsunternehmen, das für die Automobilindustrie fertigt, gilt als „wichtiger Lieferant“ – und muss seine Betriebsfähigkeit nachweislich sichern.
  • Ein Logistikdienstleister, der für mehrere große Kunden arbeitet, fällt durch seine Systemrelevanz unter NIS2.
  • Ein IT-Dienstleister, der Cloud- oder Sicherheitslösungen bereitstellt, trägt Verantwortung für die Resilienz seiner Kunden – und steht damit selbst in der Pflicht.

Selbst wenn ein Unternehmen nicht direkt unter NIS2 fällt, ist es häufig indirekt betroffen – etwa, weil Auftraggeber oder Behörden Nachweise zu Business Continuity und Sicherheitsmaßnahmen verlangen. Viele KMU erleben das bereits: Kunden fordern Wiederanlaufpläne, Backup-Konzepte oder Nachweise über Notfallübungen.

Die Realität ist klar: NIS2 fordert Resilienzmaßnahmen ausdrücklich ein – dazu gehören auch Business Continuity, Backup, Krisenmanagement und Wiederherstellung. Diese Punkte sind keine Kür, sondern Pflichtbestandteile eines funktionierenden Sicherheits- und Risikomanagements.

In Artikel 21 der NIS2-Richtlinie wird Business Continuity explizit genannt – gemeinsam mit Incident-Handling, Backup und Wiederanlaufstrategien. Die Richtlinie macht damit deutlich: Resilienz ist kein Bonus, sondern gesetzliche Anforderung.

Für KMU heißt das: BCM ist keine Großkonzern-Disziplin mehr. Es wird zum Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung – und zur Voraussetzung, um in vernetzten Wertschöpfungsketten weiter als verlässlicher Partner zu gelten.


NIS2 Notfallplanung in der Praxis: Was Unternehmen konkret umsetzen sollten

Wer NIS2 umsetzt, wird schnell feststellen: Business Continuity ist kein freiwilliges Add-on, sondern Teil klar definierter NIS2 BCM Anforderungen und damit ein gesetzlicher Pflichtbestandteil des Risikomanagements.

Artikel 21 der Richtlinie verlangt ausdrücklich, dass Unternehmen technische und organisatorische Maßnahmen treffen, um den Betrieb auch im Krisenfall aufrechterhalten und wiederherstellen zu können. Das betrifft alle Organisationen – vom Mittelständler bis zum IT-Dienstleister.

1. Die Kernanforderungen aus NIS2

  • Risikomanagementpflichten (Art. 21): Unternehmen müssen Risiken für Netz- und Informationssysteme systematisch identifizieren, bewerten und behandeln.
  • Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Betriebs: Organisationen müssen zeigen können, wie ihre NIS2 Notfallplanung sicherstellt, dass sie nach einer Störung wieder arbeitsfähig werden.
  • Notfall- und Krisenmanagement: Ein wirksames NIS2 Notfallmanagement verlangt klare Abläufe, definierte Rollen und Kommunikationswege für den Ernstfall.
  • Kommunikation bei Störungen: Melde- und Informationspflichten gegenüber Behörden und Kunden gehören ebenfalls dazu – ein Punkt, der in Audits zunehmend geprüft wird.

2. Was das in der Praxis bedeutet

In der Umsetzung heißt das nicht, dass jedes KMU ein vollumfängliches BCMS nach ISO 22301 aufbauen muss. Aber gewisse Grundstrukturen einer pragmatischen NIS2 Notfallplanung sind unerlässlich:

  • Kritische Prozesse identifizieren: Welche Abläufe dürfen nicht länger als wenige Stunden stillstehen?
  • Abhängigkeiten erkennen: Welche IT-Systeme, Lieferanten oder Mitarbeitenden sind für diese Prozesse unverzichtbar?
  • Wiederanlaufzeiten festlegen: Definiere, wie lange ein Prozess ausfallen darf und wie viel Datenverlust tragbar ist.
  • Notfallhandbuch erstellen: Eine kompakte Übersicht mit Kontaktdaten, Abläufen und Prioritäten genügt oft für den Anfang.
  • Tests und Übungen durchführen: Nur wer regelmäßig testet, erkennt, ob die Maßnahmen funktionieren – oder auf dem Papier bleiben.

3. Verbindung zwischen ISMS und BCM

Viele Unternehmen verfügen bereits über ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) – ein idealer Ausgangspunkt. Das ISMS schützt Informationen und Datenintegrität, das BCM schützt die Betriebsfähigkeit und Wiederanlauffähigkeit.

Beide Systeme greifen ineinander:

  • Das ISMS liefert die Risikoanalyse und die Dokumentationsbasis.
  • Das BCM erweitert den Blick um Prozessabhängigkeiten und Wiederanlaufstrategien.
  • Gemeinsame Tests (z. B. Notfallübungen, Simulationen) stärken die Gesamtresilienz.

So entsteht ein integriertes System, das nicht nur Compliance erfüllt, sondern echte Handlungsfähigkeit im Krisenfall schafft.

4. Praxisbeispiel: Produktionsausfall durch Ransomware

Ein mittelständischer Fertigungsbetrieb wird Opfer einer Ransomware-Attacke. Die IT steht still, Maschinen bleiben stehen. Was erwartet NIS2 in so einem Fall?

  • Eine Risikobewertung hätte kritische Systeme vorher identifiziert.
  • Ein Notfallhandbuch würde festlegen, welche Schritte zuerst folgen (z. B. Isolation, Kommunikationskette, Prioritäten).
  • Wiederanlaufzeiten wären dokumentiert – die Geschäftsführung könnte nachweisen, dass sie vorbereitet war.

Unternehmen, die diese Grundlagen umgesetzt haben, handeln nicht nur gesetzeskonform, sondern sichern ihre Existenz. Denn NIS2 prüft nicht Perfektion – sondern Verantwortung und Nachvollziehbarkeit.


Business Continuity unter NIS2 – mehr als Compliance: Wie gute Notfallplanung strategische Resilienz schafft

Viele Unternehmen betrachten Business Continuity Management (BCM) zunächst als lästige Pflicht, um die Anforderungen der NIS2-Richtlinie an Notfallplanung und Betriebsfähigkeit zu erfüllen. Doch richtig verstanden, ist BCM weit mehr als ein Compliance-Thema – es ist ein strategisches Instrument, um Widerstandsfähigkeit sichtbar zu machen und Vertrauen zu schaffen.

Ein funktionierendes BCM zeigt: Das Unternehmen ist vorbereitet. Diese Nachweisfähigkeit wirkt in alle Richtungen – gegenüber Kunden, Versicherern, Auditoren und Partnern. Gerade in Zeiten häufiger Cybervorfälle fragen Auftraggeber zunehmend nach Belegen für Wiederanlauf- und Krisenpläne. Ein getestetes BCM schafft hier Wettbewerbsvorteile: Wer zeigen kann, dass er schnell und kontrolliert reagieren kann, gilt als verlässlicher Partner – auch über regulatorische Grenzen hinaus.

BCM entfaltet seine volle Wirkung, wenn es integriert gedacht wird: in Kombination mit ISMS, Notfallmanagement und Krisenkommunikation. Das reduziert Redundanzen, spart langfristig Aufwand und ermöglicht, Risiken ganzheitlich zu steuern. Ein Beispiel: Wenn Informationssicherheits- und Business-Continuity-Übungen gemeinsam geplant werden, sinkt nicht nur der Organisationsaufwand – die Ergebnisse werden auch realistischer.

Gerade KMU profitieren von einem pragmatischen Start: Lieber einfach, aber getestet, als perfekt auf Papier. Ein übersichtlicher Plan, der im Ernstfall funktioniert, zählt mehr als 50 Seiten Richtlinie. Kleine, realitätsnahe Übungen – etwa „Was tun wir, wenn der Fileserver ausfällt?“ – schaffen Bewusstsein und Routine.

Ein weiterer Grund, jetzt zu handeln: BCM wird nicht nur durch NIS2, sondern für betroffene Unternehmen auch durch künftige Regulierungen wie den Digital Operational Resilience Act (DORA) oder die Cyberresilienzverordnung (CRA) zur Pflicht. Wer früh startet, kann Synergien nutzen, statt später aufwendig nachzurüsten. So wird BCM zum Resilienzvorteil, der über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus echten Mehrwert stiftet – organisatorisch, strategisch und wirtschaftlich.


Fazit: Warum BCM unter NIS2 zum Pflichtbestandteil jeder Sicherheitsstrategie wird

Business Continuity Management (BCM) ist kein optionales Zusatzthema mehr – es ist fester Bestandteil der NIS2-Anforderungen. Wer die Richtlinie umsetzt, muss zeigen können, dass der eigene Betrieb auch bei Störungen weiterlaufen kann. Damit wird BCM zum zentralen Element des Nachweises von Resilienz und Verantwortungsbewusstsein.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen gilt: Klein anfangen ist besser als gar nicht starten. Schon eine einfache Übersicht der kritischen Prozesse, ein realistischer Wiederanlaufplan und ein kurzer Testlauf schaffen mehr Wirkung als aufwendige, ungetestete Dokumente.

Ein gut integriertes BCM schafft Sicherheit auf mehreren Ebenen: für den Betrieb, weil Abläufe auch im Krisenfall funktionieren; für das Management, weil Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert sind; und für Prüfungen oder Audits, weil Verantwortlichkeiten und Prozesse transparent belegt werden können.

Wenn Du also über NIS2 nachdenkst, denk weiter – bis zur Betriebsfähigkeit. Sie ist der Kern echter Informationssicherheit.

Takeaways:

  • BCM ist kein Zusatz, sondern Kernbestandteil von NIS2.
  • Unternehmen müssen ihre Betriebsfähigkeit dokumentiert nachweisen.
  • Klein anfangen, regelmäßig testen – das schafft Sicherheit und Vertrauen.

Impulsfragen:

  • Kennst Du die wichtigsten Prozesse in Deinem Unternehmen?
  • Weißt Du, wie lange Ihr einen Ausfall überbrücken könnt?
  • Gibt es klare Abläufe, wenn Systeme ausfallen

Was Du jetzt tun kannst: Dein erster Schritt zu BCM-Compliance nach NIS2

Business Continuity Management (BCM) lebt nicht von Dokumenten, sondern von Umsetzung. Wenn Du NIS2 erfüllen willst, geht es nicht darum, perfekte Pläne zu schreiben – sondern darum, zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Schon wenige gezielte Schritte machen den Unterschied zwischen Papier-BCM und gelebter Resilienz.

Quick-Check:

  • Sind Eure kritischen Prozesse klar dokumentiert und priorisiert?
  • Gibt es eine verantwortliche Person für Business Continuity?
  • Wurde das BCM mindestens einmal praktisch getestet – z. B. in einer Übung oder Simulation?

Mini-CTA:
„Wenn Euer BCM bisher nur auf dem Papier existiert – fang mit einer einfachen Übung an:
Was tun wir, wenn unser wichtigster Server morgen ausfällt?
Diese Frage bringt oft mehr Bewegung als jede Richtlinie – und ist der erste Schritt zu einer gelebten NIS2 Notfallplanung und echter Resilienz.“

Regelwerkbezug: ISO 22301 (BCMS), ISO 27001 Annex A.5.29 – A.5.31, NIS2 Art. 21 (Resilienzanforderungen).

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